Helau und Halleluja

veröffentlicht 15.02.2026, Dekanat Rheingau-Taunus

In einem fröhlich ausgelassenen Gottesdienst am Faschingssonntag hat das Verkündigungsteam in der übervollen Martinskirche in Bad Camberg Glauben und närrische Freude zu einer perfekten Symbiose zusammengefügt.

Schon vor dem Gottesdienst ist die Stimmung in der bunt geschmückten Martinskirche in Bad Camberg besonders fröhlich. Dicht an dicht sitzen verkleidete Menschen jeden Alters in den Reihen und warten auf den Einzug des Verkündigungsteams, liebevoll auch A-Team (von Nachbarschaftsraum A) genannt. Als der Musikzug Walsdorf von der Empore den Narhalla Marsch ansetzt, ziehen sie endlich ein. Den Menschen wird in der kalten Kirche vor lauter Aufstehen und Schunkeln und Mitklatschen in den 60 Minuten nicht kalt. Pfarrerin Dr. Tina Bellmann spielt bei der Begrüßung die zurückhaltende und auf die Kirchenordnung pochenden Kollegin, während die bunt verkleidete Pfarrerin Katarina Prosenjak-Jenkins betont, dass Freude und Fröhlichkeit durchaus christliche Tugenden sind. Lassen sich doch in der Bibel dazu viele Stellen finden. Bellmann selbst zitiert den bekannten Text „Alles hat seine Zeit“ aus dem Predigerbuch und erkennt, dass Gott „Zeit zum Lachen, Zeit zum Tanzen und Zeit sich zu umarmen” möchte, und wagt sich dann eine Propeller-Mütze als Verkleidung anzuziehen. 

Pfarrer Bastian Michailoff spricht ein selbstgeschriebenes Psalmgebet munter dem Titel: „Wo Lachen ist, da ist auch Leben”. „Gott hat alles Lebendige gegeben, das Leben und das Halleluja und so ist es eben auch das Helau.” Wo fröhliches-ausgelassenes Lachen sei, da sei auch Gott. 

Bei den Liedern steht die ganze Gemeinde sofort auf und singt und tanzt zu Kirchenliedern wie „Einfach spitze, dass Du da bist” oder „Halleluja, Preiset den Herrn”. Pfarrerin Helge Stöfen und Diakonin Ulrike Schaffert begeistern mit einer tiefsinnig-fröhlichen Büttenpredigt, zu der es immer wieder auch einen Tusch gibt.  Schaffert hat sogar die KI gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn man in einer Kirche ausgelassen fröhlich feiere und erhält prompt eine Vielzahl an Bibelstellen zur Auswahl. 

„Im Karneval schlüpfst Du in verschiedene Rollen, ebenso wie im echten Leben, bemerken beide. Und das Tag für Tag. In der Kirche finde jede und jeder die Freiheit, so sein zu dürfen. „Wer immer du bist. Du bist willkommen, du wirst angenommen”, heißt es in der gereimten Predigt. „Schau dich nur um, dann fällt dir wie Schuppen von den Augen, dass Enge und Zwänge bei Gott wirklich nichts taugen.” Bei Gott und in der Kirche - und eben oft auch beim Karneval – „darfst Du ganz du selber sein.”

Selbst das Vater Unser wird in Bewegung gebetet und bei den Auftritten der beiden Tanzgruppen „Dancing Queens“ und „Callistas“ vom SV Walsdorf, hält es sowieso niemanden mehr auf den Bänken. Was bei Faschingssitzungen am Schluss das Lied „So ein Tag so wunderschön wie heute ist, ist bei uns das Lied “Oh happy Day”, betont Prosenjak-Jenkins. Und so singt die ganze Gemeinde diesen Spiritual aus vollem Herzen, bevor alle Beteiligten des Gottesdienstes fröhlich und gesegnet mit einer Polonaise aus der Kirche ziehen.