Sie werden fast alle zunächst in der Kita unter neuer Trägerschaft der AWO weiterarbeiten. „Nicht Sie sind gegangen, sondern wir“, sagte Weinert zu den Mitarbeiterinnen. Etliche von ihnen arbeiten seit über 15 oder 20 Jahren in der Einrichtung. Der Kirchenvorstand dankte ihnen für ihre „liebevolle und professionelle Begleitung der Kinder.“
1995 war die Stadt Rüdesheim an die Evangelische Kirchengemeinde Rüdesheim herangetreten und fragte sie, ob sie bereit wäre eine weitere Kindertagestätte zu gründen. Die Kirchengemeinde hatte bereits eine Kita, das „Baumhäuschen“. Mit dem damaligen Ortspfarrer und späteren Dekan Klaus Schmid entschieden sich Weinert und der Kirchenvorstand eine integrative Kindertagesstätte in Rüdesheim zu gründen. Sie war damals die modernste Kita in Rüdesheim. In der Regel wurden drei Kinder mit Behinderungen jeweils in den drei Gruppen aufgenommen. Dazu gab es besonders qualifiziertes Personal. Die Räumlichkeiten waren speziell für diesen Bedarf konzipiert. „Im Binsenkörbchen wurde von Anfang an, bis heute immer selbst und frisch gekocht. Es gab immer Mittagessen für die Kinder“, sagt Weinert stolz. 2021 Jahre wurde die Kita um ein vierte Gruppe, diesmal für Krippenkinder unter drei Jahren, erweitert. Knapp 500 Kinder sind seitdem im beliebten „Wackelzahn-Gottesdienst“ in die Grundschule verabschiedet worden.
Eine weiterer Schwerpunkt im Binsenkörbchen war die religionspädagogische Arbeit mit Kindern, Erzieherinnen und Eltern. Zu Weihnachten, Erntedank und Ostern organisierten die Erzieherinnen mit den Kindern eigene Gottesdienste. „Da hat auch mal ein Ibrahim gerne den Jesus gespielt“, erinnert sich Weinert. Der Pädagoge selbst kam oft in die Kita, sprach mit den Erzieherinnen, erzählte den Kindern biblische Geschichten, die auch die Kinder (und Eltern) aus nichtchristlichen Konfessionen gerne hörten. „Diesen fachlichen Austausch und die Gottesdienste der Kinder werde ich sehr vermissen.“
Die Stadt - die selbst keine Trägerin einer Kita ist – hatte dem „Binsenkörbchen“ letztes Jahr die Trägerschaft gekündigt. Eine genaue Begründung wurde nicht kommuniziert. Ein „Grund“ seien wohl die Schließzeiten aufgrund von Krankheitswellen oder der Suche nach Personal, gewesen. Ob sich das, angesichts der allgemein angespannten Lage auf dem
Arbeitsmarkt ändert, wird sich zeigen.
Über 30 Jahre lang hat der Kirchenvorstand ehrenamtlich und sehr professionell die Alltags- und Verwaltungsgeschäfte der Kita Binsenkörbchen geführt. Man wolle als Kirchenvorstand jetzt alles dafür tun, um einen guten Übergang für die Erzieherinnen, Kinder und Eltern zu ermöglichen. „Wir wünschen allen, dass sie sich weiterhin so wohl und geborgen fühlen können, wie bisher“, so Weinert. Die Kirchengemeinde Mittlerer Rheingau wird sich jetzt voll und ganz auf die zwei vorhandenen großen Kindertagesstätten „Arche Noah“ in Geisenheim und „Zachäus“ in Oestrich-Winkel konzentrieren.