"Bilden Sie Netzwerke!"

veröffentlicht 07.11.2026 von Christian weise, Dekanat Rheingau-Taunus

Der Hünstetter Bürgermeister Jan Kraus hat die Evangelischen Kirchengemeinden in der Region dazu aufgerufen Netzwerke in den Orten und Städten zu bilden. Menschen hätten eine Sehnsucht nach Treffpunkten. Hierbei könnten die Kirche eine wichtige Rolle spielen. Noch.

„Bringen Sie Ihre Fähigkeiten zusammen“, motivierte er die Synodalen auf der Dekanatssynode Rheingau-Taunus. Im Gespräch mit Dekan Norbert Feick ermutigte er die Christen in der Region unter anderem ihre Häuser und Kirchen dazu zu nutzen und gemeinsam mit Kommunen, Vereinen und Institutionen zu schauen, wie man die Menschen vor Ort zusammenbringen könne. Kommunen und Kirchen hätten etliche Gemeinsamkeiten. Etwa die demokratischen Werte, die sich zum Großteil mit christlichen Geboten decken. 

Kraus sei erschrocken gewesen, wie drastisch die Zahlen der Kirchenmitglieder in der Region gesunken seien. Derzeit sind noch gut 40.000 Menschen in der Region Mitglied der Evangelischen Kirche. „Tun Sie etwas!“, Kirche sei immer weniger wahrnehmbar!, mahnte der Bürgermeister, der seit 13 Jahren in Hünstetten Rathauschef ist. „Schauen wir gemeinsam, wie wir Orte und Gebäude mit Leben füllen können“, warb Kraus für eine engere Zusammenarbeit.

Als positives Beispiel nannte er das Heimatmuseum in Bechtheim, das im ehemaligen Pfarrhaus beheimatet ist und die Kommune von der Kirche gemietet hat. Hier sie ein richtiger Treffpunkt entstanden. Norbert Feick hatte zuvor den Synodalen erklärt, dass man im Dekanat ein Projektteam gründen wolle, dass Ideen entwickeln soll, wie Gebäude, die künftig keine Gelder mehr zur Bauunterhaltung erhalten, im Sinne des Gemeinwohls genutzt werden können. 

Jan Kraus, der selbst früher aktiv in der Evangelischen Kirche war und „alle Ämter bis zum Amt des Landessynodalen“ innehatte, betonte mit Blick auf das zurückgehende Personal im Dekanat, dass „Kirche auch dann da ist, wenn kein Pfarrer da ist.“ Es brauche Menschen, die Interesse haben, dass vor Ort etwas passiere. Ihm sei durchaus bewusst, dass es oft die Gleichen seien, die sich engagieren, aber es sei eben wichtig den ersten Schritt zu machen und zu beginnen. „Warten Sie nicht auf die anderen. Wenn wir andere anstecken und begeistern, dann kann daraus sehr schnell eine große Gruppe erwachsen“, wisse er aus Erfahrung. Als Beispiel nannte der den Kirchplatz in Strinz-Trinitatis, der auf Initiative einiger Wenigen umgebaut werden sollte. Ziemlich schnell beteiligten sich dann knapp 100 Menschen an dem Projekt. „Es braucht Multiplikatoren vor Ort“,  Kirche könne so eine Multiplikatorin sein.

Kraus empfahl den Delegierten eine gute und transparente Kommunikations- und Informationsstruktur auf allen Ebenen und zwischen allen Gruppen und Ausschüssen zu pflegen sowie die Zuständigkeiten gleich zu Beginn klar festzulegen. „Sprechen Sie miteinander und nicht übereinander“, so sein dringender Rat. Das sei der Schlüssel auch für die kirchliche Arbeit. Kommune und Kirche hätten das gemeinsame Ziel, die Menschen mitzunehmen.“

Auf die Frage, warum er als Bürgermeister nach all den Jahren immer noch fröhlich sei antwortete Jan Kraus: „Ich kann manche Problem nicht ändern, aber ich kann meine Haltung ändern. Und ich versuche Gebete in meinen Alltag zu bringen.“ So habe er auf der Hinfahrt Lieder aus Taizé gesungen. Das helfe ihm sehr sein optimistische Haltung zu bewahren. 

Personalzuwachs im Dekanat: Gemeindepädagogin, Hospizpfarrer und zwei Gemeindepfarrer

Was das Personal angeht, konnte Norbert Feick einige positive Botschaften in seinem Bericht übermitteln. So fange Pfarrer Tilmann Zwanziger am 1. Dezember als Hospiz- und Klinikseelsorger in Rüdesheim an. Ab dem 1. Januar wird Dr. Tilmann Clement seinen Dienst als Pfarrer im Mittleren Rheingau antreten. Im Bleidenstadt komplettieren Pfarrerin Katharina Meckbach und Gemeindepädagogin Fa-Rung Walton im neuen Jahr 2027  das hauptamtliche Verkündigungsteam in der Friedensgemeinde Obere Aar.  In der Kirchengemeinde Mittlerer Rheingau sei zudem eine Stelle für eine Gemeindepädagogin oder einen Gemeindepädagogen ausgeschrieben, berichtete der stellvertretende Dekan Christian Albers.